Hochleistungssport und Studium – geht das?

www.uni-rostock.de | 08. November 2010

Universität Rostock unterstützt 24 Spitzensportler

gordon

Kanute Gordan Harbrecht trainiert viermal täglich (Foto: privat)

Studium und Hochleistungssport, verträgt sich diese Kombination? „Ja“, sagt Gordan Harbrecht. Der 24jährige Maschinenbaustudent und Kanute ordnet zwar momentan seinem großen Ziel – Olympia 2012 in London – alles unter. Doch der 1,94 Meter große ambitionierte Athlet will auch beruflich auf der Erfolgsbahn unterwegs sein. Dass er beide Ziele unter einen Hut bekommt, macht eine Kooperationsvereinbarung möglich, die die Universität Rostock, das Studentenwerk, der Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern, der Olympiastützpunkt MV und der allgemeine Hochschulsportverband geschlossen haben. „So wird eine duale Karriere zwischen Sport und Studium möglich“, ist Andreas Kriehn, Laufbahnberater am Olympiastützpunkt MV, überzeugt. „Wir sind stolz auf unsere Spitzenathleten“, sagt Rektor Prof. Dr. Wolfgang Schareck.

Andreas Kriehn betreut allein 24 junge Bundeskader sowie vier Perspektivkader, die an der Universität Rostock studieren. Segeln, Schwimmen, Leichtathletik und Handball stehen dabei im Vordergrund „Ohne die Unterstützung der Universität Rostock wäre das nicht möglich“, weiß Kriehn zu schätzen. Besonders stolz ist er auf drei Studenten, die als Bundeskader im Tauchsport zu den Topleuten zählen. Jörg Poller studiert Wirtschaftswissenschaften. Er ist bereits Weltmeister im Tauchen. Auch die Brüder Uwe und Frank Etzien, beide studieren Wirtschaftsingenieurwesen, bestimmen die internationale Spitze im Tauchen. „Rostock hat für Tauchen einen anerkannten Bundesstützpunkt und bereits viele Europa- und Weltmeistertitel geholt“, sagt Andreas Kriehn.

Kanute Gordan Harbrecht ist besonders Studienbetreuerin Monika Nitz und dem Studiendekan der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik, Prof. Dr. Christoph Woernle, dankbar. „Wer Studium und Spitzensport unter einen Hut bringen kann, vor dem habe ich Respekt“, sagt Woernle. Seiner Erfahrung nach überträgt sich die Motivation für den Sport auch auf das Studium. Die Fakultät unterstützt Spitzensportler unter anderem durch Fristaufschub bei Prüfungen. In diesen Tagen ist Modellathlet Gordan Harbrecht, der zu den besten Kanuten Mecklenburg-Vorpommerns zählt und in dieser Saison den Einstieg in den Nationalkader geschafft hat, für vier Wochen ins Trainingslager nach Florida geflogen. Seine Kommilitonen und die Fakultät helfen, damit er dann das Versäumte nachholen kann. „Die drei Bundeskader, die an unserer Fakultät studieren, bekommen jede individuelle Hilfe“, sagt Monika Nitz. Gordan Harbrecht möchte keine Ewigkeit studieren. „Aber drei Semester wird mein Studium wohl länger dauern“, schätzt das ehrgeizige Sporttalent.

Jeden Tag meistert er vier Trainingseinheiten: er paddelt mit großer Selbstdisziplin ab 8.00 Uhr zwischen Flussbad und Bootshäusern auf der Oberwarnow, wo wohl kaum ein Passwant einen Topathleten vermuten würde. Harbrecht macht sich täglich bei Athletik, Kraftsport und beim Laufen fit. Seit diesem Jahr betreut Olympiasiegerin Ramona Portwich den Rostocker Kanuten. „Das bringt mich weiter“, sagt er. Die Trainingspläne kommen von Landestrainer Jürgen Lickfett aus Neubrandenburg, der am Olympiastützpunkt die Männer der Leistungsklasse Kanu trainiert. Viele rieten Gordan, er solle nach Neubrandenburg gehen, um sein Training effektiver zu gestalten. „Es ist auch ein Vorteil, dass Pensum allein durchzuziehen“, sagt er. Das fördert die Selbstständigkeit. Auch beim Studium.“

Die Mittagspause und Abendstunden widmet Gordan Harbrecht seinem Studium. „Maschinenbau, dieses Fach ist mein Wunschberuf“, sagt der Sportler. Seine Vorbilder sind Vater Edgar und Mutter Ina. Der heute 48jährige Vater war in jungen Jahren ebenfalls Kanute. Mutter Ina erfüllte sich neben Kanu mit Schwimmen ihre sportlichen Träume.

„Für Kanu als Randsportart ist es schwer, Sponsoren zu finden“, sagt Gordan Harbrecht. Insbesondere dann, wenn man den Anschluss an die Weltspitze sucht, sagt der Student. „Ohne meine Eltern wäre nichts gegangen.“ Seit einigen Jahren unterhält er Unterstützung von der Rostocker Firma Zentrale Autoglas.“ Besonders freue ich mich, dass die Ostseesparkasse Rostock mir Unterstützung auf dem Weg zu Olympia zugesichert hat“.

Zu den weltweit bekanntesten Rostocker Sportlern zählt die mehrfache Weltmeisterin im Langstreckenschwimmen und Jura-Studentin Britta Kamrau-Corestein, die bei Olympia 2012 starten will.

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