NNN 08.04.2011 | Harbrecht spekuliert auf den Vierer

Zug um Zug: Gordan Harbrecht paddelte die Warnow rauf und runter, um sich fit für die neue Saison zu machen. (Foto: Karen Hacke)

ROSTOCK – Das endlose Schinden ohne Vergleichsmöglichkeiten bei Wettkämpfen hat für Rostocks Kanu-Hoffnung Gordan Harbrecht ein Ende. Morgen und Sonntag startet er in die vor-olympische Saison. Bei der ersten Ranglisten-Regatta des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) in Duisburg muss Harbrecht dem Bundestrainer Reiner Kießler beweisen, dass er sich während der Wintermonate fit für den erneuten Einsatz in der Nationalmannschaft gemacht hat. Einmal 250 Meter und zweimal 2000 Meter gilt es auf der Wedau bestmöglich zu bewältigen. “Ich habe sehr gut trainiert”, sagte der 25-Jährige nach seinem zweiwöchigen Aufenthalt in Kienbaum, wo er gemeinsam mit den Stützpunkt-Sportlern aus Neubrandenburg Kilometer geschrubbt hat. “Wir haben viel Grundlagenausdauer gemacht. Ich war danach ein bisschen platt.”

Deswegen schaltete er in den vergangenen vier Tagen nach seiner Rückkehr nach Rostock einen Gang zurück. Lockeres Paddeln auf seinem Revier – der Warnow – stand auf dem Programm, bevor es gestern bereits nach Duisburg ging. “Ich möchte dort natürlich so gut wie möglich sein”, so Harbrecht, der die Weltmeisterschaft im ungarischen Szeged im August fest im Visier hat.

Dass es wie schon im vergangenen Jahr schwer wird, ist dem Maschinenbau-Studenten bewusst. Der Einer- und Zweier-Kajak ist mit amtierenden Weltmeistern besetzt. Max Hoff (K1) sowie Martin Hollstein und Andreas Ihle (K2) lassen sich schon allein wegen ihrer Namen nicht so leicht verdrängen. Deswegen spekuliert Gordan Harbrecht auf den Vierer: “Der ist schon deshalb reizvoll, weil er die Königsklasse im Kanurennsport ist.” Doch die Bewerberliste für dieses Boot ist ebenfalls entsprechend lang.

Ramona Portwich, die den Nachwuchs am Olympiastützpunkt in Rostock trainiert und am Vormittag mit Harbrecht zusammenarbeitet, sieht ihren Schützling in der Pflicht: “Er muss sich jetzt anbieten. Da er wegen eines Magen-Darm-Infekts das Trainingslager mit der Nationalmannschaft in Spanien absagen musste, konnte er nicht zeigen, wo er steht. Die anderen aber schon. Das ist natürlich ein Nachteil.” Vom Leistungsstand her sei er dort, wo er im vergangenen Jahr auch war. Aber die Konkurrenz schläft nicht.”

Die mehrfache Kanu-Olympiasiegerin und Weltmeisterin sieht noch viel Potenzial bei Gordan. “Da ist nicht alles ausgereizt”, sagte die 44-Jährige. Vor allem in der Feinabstimmung im Tagesablauf und bei der Ernährung ließe sich noch einiges rausholen.

Für die DKV-Rangliste am Wochenende ist nun aber vorerst die Leistung im Einer wichtig. Diese und die nächste nationale Qualifikation am 29. April an gleicher Stelle entscheiden über die Besetzung der Boote für die Weltcups und die WM. Ausschlaggebend ist aber nicht nur die Platzierung. “Im vergangenen Jahr hätte ich nach der Rangliste im Vierer sitzen müssen”, erklärte der Sportler vom Rostocker Kanu-Club. Auch die Paddler müssen miteinander harmonieren und zusammenpassen. Bereits bewährte Besetzungen haben einen zusätzlichen Bonus. Trotzdem will Gordan beweisen, dass das Schinden sich gelohnt hat. (Text und Foto: Karen Hacke)

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